Albert Endres, Dieter W. Fellner: Digitale Bibliotheken -- Informatik-Lösungen für globale Wissensmärkte. Heidelberg: dpunkt.Verlag, 2000 Mit diesem umfangreichen Werk haben die Autoren das erste umfassende Lehrbuch über digitale Bibliotheken in deutscher Sprache vorgelegt, das sich gleichermaßen an Studierende -- nicht nur der Informatik --, Bibliothekare und betroffene Wissenschaftler aller Disziplinen wendet. Betroffen sind letztlich alle, denn digitale Bibliotheken sind weit mehr als nur Kollektionen digitaler Dokumente; vielmehr sind tiefgreifende Änderungen der gesamten Bibliotheksorganisation, aber auch der Strukturen des Verlagswesens und des Buchhandels zu erwarten. Dem interdisziplinären Charakter des Themas gemäß wird in 18 Kapiteln ein breiter Bogen von den technischen und organisatorischen über rechtliche und ökonomische Fragen gespannt. Mit den Sachgruppen "Grundlagen", "Umfeld", "Nutzung", "Betrieb", "Ordnen" und "Ausblick", denen sie die einzelnen Kapitel zuordnen, schlagen die Autoren eine plausible Strukturierung des Themengebiets vor. Zur Einführung wie auch zur Vertiefung in technisch-organisatorischen Aspekten kann das Werk empfohlen werden, zumal es zu digitalen Bibliotheken auch international bisher sehr wenige Lehrbücher gibt und diese in ihrer Aktualität und der Abdeckung des Themas sich in etwa auf dem gleichen Stand befinden (1). Auch wenn es den Autoren gelungen ist, das Thema treffend zu klassifizieren und seine Relevanz deutlich zu machen, weist das Werk dennoch einige Defizite auf und es fällt schwer, manche ihrer Schwerpunktsetzungen nachzuvollziehen. Der als methodisch gedachte Einleitungsteil befasst sich in epischer Breite, aber vollkommen unkritisch mit dem Informations- und Wissensbegriff und widmet sich Modethemen wie der Wissensgesellschaft. An dieser Stelle ließe sich mit methodischer Präzision und dem gerade für die Informatik so wichtigen Abstraktionsbegriff (2) eine wohltuende Straffung erreichen. Gleiches gilt übrigens auch für die beiden letzten Kapitel, in denen u.a. das eher der Betriebswirtschaft zuzurechnende "Wissensmanagement" abgehandelt wid und sich u.a. solche bemerkenswerten Feststellungen finden, daß die Welt eben komplex und dieses nicht zu ändern sei. Einer unkritischen, nicht immer fehlerfreien und manchmal geradezu naiven Darstellung kultur- und gesellschaftswissenschaftlicher Aspekte steht eine kompetente Behandlung der technischen, organisatorischen und rechtlichen Fragen gegebenüber, bei der die Autoren ihre fachlichen Stärken in der Informatik und ihrem Umfeld zeigen. Dennoch kommen auch dort einige wichtige Themen viel zu kurz weg, wie etwa der ganze Bereich georeferenzierter Daten und der Komplex der Metadaten, ihrer Standardisierung und Nutzung. Auch die Beschreibung der aktuellen Forschungslandschaft ist recht spartanisch geraten und gerade die international methodisch und organisatorisch wegweisenden Richtlinien der DFG zur verteilten digitalen Forschungsbibliothek hätten eine angemessere Würdigung verdient. (1) Zum Vergleich sei das -- etwa gleichzeitig erschienene und deshalb vermutlich nicht zitierte -- Werk von W. Arms (Digital Libraries. Cambridge, Mass.: The MIT Press, 2000) genannt, dessen zusätzliche Lektüre durchaus empfohlen sei. (2) Ein Blick in Mittelstraß' Enyklopädie der Philosophie und Wissenschaftstheorie hätte hier sehr hilfreich sein können. Günther Görz, Institut für Informatik, Universität Erlangen-Nürnberg