
Im Rahmen des Fermat Projektes des IMMD8 sind Teilprojekte zusammengeführt, die die Anwendung der Künstlichen Intelligenz auf die Mathematik erforschen. Projektziel ist es, ein Assistenzsystem für Mathematiker zu entwickeln, das aus Komponenten zum
In nachfolgenden Abschnitt werden nun einige der am IMMD VIII ausgeschriebenen Studien-und Diplomarbeiten motiviert und beschrieben.
Innerhalb des Fermat-Projektes nimmt die Datenbank für mathematisches
Wissen einen zentralen Platz ein. Dem Mathematiker soll ein komfortables
Werkzeug zum Auffinden mathematischen Wissens bereitgestellt werden.
Die Mizar-Forschungsgruppe hat sich zur Aufgabe gemacht, grundlegende Theorien aus allen Bereichen der Mathematik zu formalisieren. Alle mit dem Beweisüberprüfungssystem Mizar verifizierten Beweise werden im Journal of Formalized Mathematics publiziert. Die Formalisierung (mehr als 2000 Definitionen und 20000 bewiesene Theoreme) besteht im Wesentlichen aus einer großen ungeordneten Ansammlung von Dateien; als Suchwerkzeug steht das grep-Kommando zur Verfügung.
Im Rahmen einer Diplomarbeit konnte diese Dateiensammlung in eine objekt-orientierte Datenbank transferiert werden. Aufbauend auf der objekt-orientierten Repräsentation des gesamten vom Mizar-Team geleisteten Formalisierung sind am IMMD VIII die folgenden Studien- und Diplomarbeiten als Folgearbeiten zu vergeben:
Weiterhin soll eine Schnittstelle zwischen einem html-Browser (z.B. Netscape) und der um die Anfragesprache angereicherte Datenbank entwickelt werden.
Im Rahmen einer Arbeit ist nun die Spezifikation und Implementierung eines Systems zu leisten, welches in der Lage ist, aus der Mizar-Datenbank formalisierten Wissens automatisch Beweisprobleme zu generieren. Damit soll die weltweit genutzte Standard-Bibliothek TPTP [SSY94] abgelöst werden.
Existierende Beweisüberprüfer sind nicht in der Lage,
natürlich-sprachliche Eingaben -- z.B. Beweistexte, die einem
Lehrbuch zur elementaren Zahlentheorie entnommen sind -- zu
verarbeiten. Liegt der mathematische Text dem Beweisüberprüfer aber
formal -- etwa als Abfolge von Regelanwendungen des
Sequentzenkalküls für Prädikatenlogik 1. Stufe mit Gleichheit -
vor, so ist seine Überprüfung trivial. Ein Korrektheitsüberprüfung
beschränkt sich auf das schrittweise Nachvollziehen der korrekten
Anwendung von Kalkülregeln.
Interessant wird es, wenn der Beweis nur bruchstückhaft formal
vorliegt. Es ist nun Aufgabe des Beweisüberprüfers, die fehlenden
formalen Beweisschritte selbst zu erbringen, um die Lücken -- aber
nicht mehr -- zu füllen. Der Beweisüberprüfer tritt damit als
Beweiser auf.
Noch interessanter ist die Frage, inwieweit ein Beweisüberprüfer in
der Lage ist, informelle Beweise zu überprüfen. In mathematischen
Texten -- seien es nun Lehrbücher zur elemenaren Zahlenheorie oder
in Fachzeitschriften veröffentlichte Artikel aus der aktuellen
Forschung -- ist der formale Anteil der Beweise gering. Formale
Beweise, in dem Sinn, daß sie in einem formalen Kalkül geführt
worden sind oder geführt werden könnten, lassen sich in
mathematischen Texten nicht finden. Sie wären auch nicht lesbar und
verständlich. Der Mathematiker bedient sich vielmehr einer
Fachsprache, mit der er versucht, mathematische Inhalte -- nicht
formal, aber präzise -- zu vermitteln. Er reichert mathematische
Beweise durch Zusatzinformationen, wie verwendete Beweismethode und
Beweisfäden, an. Er verzichtet aus Gründen der Lesbarkeit und
Verständlichkeit auf die Darstellung trivialer Beweisschritte. Dies
stellt an ein System für automatische Beweisüberprüfung besondere
Herausforderungen ([Sim90]).
Im Rahmen des Teilprojektes Automatische Beweisüberprüfung sind folgende Arbeiten zu vergeben: Es sind mathematische Beweise zu analysieren und zu beschreiben! Die zu untersuchenden Theoreme und ihre Beweise sind aus der elementaren Zahlentheorie und stammen aus [HW71]. Zunächst ist eine Klassifizierung der Beweise in Beweistypen (direkter Beweis, indirekter Beweis, etc.) vorzunehmen. Hilfreich dabei ist die Lekture von Solow's How to read and do proofs ([Sol90]).
Alle in [HW71] vorkommenden Beweise sind danach zu identifizieren. Dazu gehört auch die Markierung von Beweisanfängen und -enden sowie die Identifizeriung von Sätzen, die mit dem eigentlichen Beweisverlauf nicht zu tun haben (historische Anmerkungen, Anmerkungen zum Schwierigkeitsgrad des Beweises und sonstige Meta-Aussagen). Dabei sind auch verschachtelte Beweise -- ein Beweis zerfällt in mehrere Unterbeweise unterschiedlicher Beweistypen -- zu betrachten. In der Beweisbeschreibung sollten logische Beziehungen zwischen Aussagen, evtl. Beweispläne sowie die Offenlegung von Beweislücken nicht fehlen. Im Text stets wiederkehrende Phrasen sind zu identifizieren und in Semantik-erhaltende Standardphrasen zu transformieren.
Ziel ist die Entwicklung einer Beweisbeschreibungssprache!

email: zinn@immd8.informatik.uni-erlangen.de
http://www.informatik.uni-erlangen.de/IMMD8/staff/Zinn/zinn.html
Eine elektronische Fassung dieses Dokuments finden Sie im WWW:
http://www8.informatik.uni-erlangen.de/IMMD8/Research/fermat.html